„Leonce und Lena“ reloaded?

Fühlst du dich frei? Weißt du, wer du bist?

»Leonce und Lena« erzählt poetisch und direkt vom Erwachsenwerden zweier Jugendlicher, die aus den gesellschaftlichen Strukturen und Zwängen auszubrechen versuchen, um ihren Weg ins Leben zu finden.

Leonce muss sich um nichts kümmern, sein Leben ist seit seiner adligen Geburt vorherbestimmt. Sein Vater ist König und er soll ihm nachfolgen – Trotzdem ist er unzufrieden, möchte sein Leben selbst bestimmen, was er werden und machen möchte.

In dem Stück „Leonce und Lena“ stellen fast alle Figuren die Frage: Wer bin ich? Dabei sind sie alle in Determination, Vorherbestimmung oder Fremdbestimmung eingebunden: Individualität und Persönlichkeit kennen sie nicht. Die Figuren spüren die Verluste der Individualität, aber gelingt es ihnen darauf eine Antwort zu finden?

Well, we know where we’re goin‘
But we don’t know where we’ve been
And we know what we’re knowin‘
But we can’t say what we’ve seen

And we’re not little children
And we know what we want
And the future is certain
Give us time to work it out

(Road to nowhere, Talking Heads)

Wir leben im Überflusses, können alles immer haben. Es gibt scheinbar endlose Möglichkeiten und Wege – doch welchen soll man gehen? Gibt es überhaupt einen eigene Weg oder ist durch die sozialen Umstände, Schule, Eltern, soziale Medien usw. das Leben fremdbestimmt? Wie ehrlich ist man sich selbst gegenüber, wenn man ständig eine Rolle spielt? Leben wir im Hier und Jetzt oder sind wir Marionetten, die ihrer Vorherbestimmung nicht entgehen?

Leonce langweilt sich in seinem vorherbestimmten Leben, alles was er in seinem Leben macht, erscheint im sinnentleert. Was bedeutet Langeweile, wenn man doch scheinbar ständig beschäftigt ist?

Heute verspricht der materielle Überfluss Ablenkung, die Zeit, die an der Schule verbracht wird nimmt ständig zu  – die Freizeit füllen Termine für Hobbys, Sportvereinen, Kino, Videospiele, man trifft Freunde, wischt in Apps auf dem Smartphone rum oder surft im Internet. Trotzdem langweilen wir uns immer wieder oder ertragen sie nicht.

Die Fragen die „Leonce und Lena“ stellt sind universell und gerade heute aktuell.

“Ich bin ein Automat; die Seele ist mir genommen”

Büchner an seine Verlobte im Jahr 1834.

 

 

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