Über Leonce und Lena

Mit poppig Kostümen und zeitgemäßer Musik haben wir das klassische Stück „Leonce und Lena“ inszeniert. Wir wollen unterhalten und zeigen, wie Büchners großartiger Originaltext in neuem Licht erstrahlen kann und dass die Fragen nach der eigenen Identität,der Fremdbestimmung und der Macht unentrinnbaren Strukturen immer wieder aktuell sind.

Wer bin ich? Leonce und Lena maskiert
Wer bin ich? Leonce und Lena maskiert

„Leonce und Lena“ beginnt mit Abschieden: Prinz Leonce verabschiedet sich von seinem Schulmeister, den er verspottet, von seinem Vater, König Peter, den er lächerlich macht, von seiner Liebschaft, die er satt hat. Er flüchtet allem mit seinem wortgewandten Kumpel und Narren Valerio. Sie wollen in den Süden, landen jedoch in einer Art entrückter Kommune. An diesem seltsamen Ort beginnt der zweite Akt. Leonce und Valerio treffen auf Prinzessin Lena und ihre Gouvernante. Auch die beiden sind auf der Flucht, vor Lenas Vater, der die romantisch verträumte Lena durch eine adlige Zwangsheirat verkuppeln will. Ein Augenblick reicht, und Leonce ist von Lena verzaubert. Vor Glück will er sterben, aber Valerio hindert ihn daran; nur deshalb gibt es einen dritten Akt. Am Hofe von König Peter werden Leonce und Lena nach grotesken Vorbereitungen und roboterhaften Maskeraden ein Paar.

Leonce und Lena demaskieren sich.
Wer bin ich? Leonce und Lena demaskieren sich.

Alles geschieht sehr schnell. Was sonst Jahre dauert, geschieht in Tagen, Minuten oder Sekunden. Raum und Zeit sind komisch verkürzt. In dieses Tempo sind zeitlose Orte eingebettet, wo die Welt träumend verweilt. Melancholie und Witz vermischen sich dort. Büchners Lustspiel ist leicht und schwer zugleich, lustig und traurig, eng und unendlich. Es ist böse und sanft, langsam und schnell, geistvoll und geistlos, satirisch und versöhnlich, unverschämt und verträumt.

In einer romantisch-komödiantischen Atmosphäre remixt Büchner sein Genie und lässt seine liebsten Autoren aufblitzen  – Shakespeare, Brentano, Goethe, Chamisso und macht es zu etwas ganz neuem.

Georg Büchner und das Stück

„Ich bin ein Automat; die Seele ist mir genommen”

Büchner an seine Verlobte 1834

Georg Büchner schrieb „Leonce und Lena“ 1836, um an einem Preisausschreiben des Cotta-Verlags teilzunehmen. Doch das Werk kam ungeöffnet zurück, da es nach dem Einsendeschluss bei dem Verlag eintraf. Etwa ein Jahr zuvor beendete Büchner seine politischen Aktivitäten, da seine Verhaftung drohte. Er floh nach Straßburg und begann sich in sein naturwissenschaftliches Studium zu vertiefen. Zudem hatte er sich dort bereits mit der Pfarrerstochter Wilhelmine Jaeglé verlobt. Er war auf dem Weg eine „ordentliche Ehe“ zu führen, einen „ordentlichen Beruf“ zu ergreifen und eine „nützliches Mitglied der Gesellschaft“ zu werden. Es ist erstaunlich, dass er in dem Stück „Leonce und Lena“ entstand, diese bürgerliche Leben hinterfragt. Wie sein weiterer Lebensweg verlaufen wäre wissen wir nicht, denn bereits 1837 verstarb Büchner mit gerade einmal 24 Jahren.

Fühlst du dich frei? Weißt du, wer du bist?

»Leonce und Lena« erzählt poetisch und direkt vom Erwachsenwerden zweier Jugendlicher, die aus den gesellschaftlichen Strukturen und Zwängen auszubrechen versuchen, um ihren Weg ins Leben zu finden. Tastend und irrend versuchen sie in einer Welt der Vorherbestimmung und Fremdbestimmung ihre Individualität und Fragen auf das Leben zu finden. 

So wie der adlige Leonce leben wir in einer Welt scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten, Konsum und fremdbestimmter Zeit. Es geht uns doch gut …? Aber wird an der nächsten Ecke noch eine bessere Option geboten. 

In diesem Dickicht bleibt der richtige Weg verborgen. Wie ehrlich ist man sich selbst gegenüber, wenn man ständig eine Rolle spielt? Sind wir Marionetten, die ihrer Vorherbestimmung nicht entgehen? Ist das vielleicht auch gut so? Büchner will nicht eindeutig sein …

Und die Fragen die „Leonce und Lena“ uns stellt sind universell und aktuell.


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